Horn-Bad Meinberg. Ärztlicher Nachwuchs? Die Suche läuft. Pflegekräfte? Mangelware. Junge Mitarbeiter für die Verwaltung? Nur schwer zu finden. Wie viele andere Betriebe, sieht sich die MediClin Rose Klinik einem wachsenden Fachkräftemangel gegenüber. Doch die kaufmännische Direktorin Constance Jow stellt sich der demografischen Herausforderung: Bei ihr gehören ältere Arbeitnehmer noch lange nicht zum „alten Eisen“.
Horst Bergmeier ist 65. Eigentlich könnte der langjährige Sozialarbeiter der Klinik inzwischen seinen Ruhestand genießen. Doch davon ist er weit entfernt. Nachdem Constance Jow ihn im vergangenen Jahr fragte, entschloss sich Bergmeier noch zwei Jahre länger für die MediClin Rose Klinik tätig zu bleiben. „Meine Arbeit ist körperlich nicht anstrengend, und es macht mir Freude, Menschen auf ihrem Weg von der Reha zurück ins Berufsleben oder in den familiären Alltag zu begleiten. Außerdem: Ruhestand ist nichts für mich, ich will nicht einrosten.“
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie Bergmeier sind wichtig für Bad Meinbergs zweitgrößten Arbeitgeber. „Sie verfügen über sehr viel Erfahrung im Umgang mit Menschen. Sie kennen unsere medizinischen Konzepte, unsere Philosophie und verfügen über zahlreiche Kontakte. Wir wollen uns diese Kompetenz erhalten“, erläutert die Direktorin.
Die demographische Entwicklung hat auch vor den Kliniktoren nicht haltgemacht. Die Belegschaft sei über die Jahre älter geworden, berichtet Jow. „Der Generationen-Mix stimmt zwar noch. Aber mehr als 20 Prozent aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind mittlerweile älter als 55 Jahre.“ Betriebliche Gesundheitsvorsorge – wichtig nicht nur für die Pflegekräfte – trägt dazu bei, ältere Arbeitskräfte länger beschäftigen zu können. Fortbildung ist für Jow der zweite Baustein dieser Strategie. Außerdem will sie mit flexiblen Arbeitszeitmodellen und mehr Teilzeitarbeit Kompetenz und Erfahrung im Unternehmen halten.
Für Dr. Paul Blumenrath, Assistenzarzt in der Orthopädie, war das ein entscheidendes Argument. Der 63-Jährige war zuvor als Hausarzt im Münsterland tätig und stieß 2009 zum Team der Klinik. Allerdings auf Basis einer 30-Stunden-Woche. „Ich möchte einen sanften Ausstieg aus dem Berufsleben. Was als niedergelassener selbstständiger Arzt auf dem Lande nicht geht, ist hier in der Klinik möglich.“ Bis zum 65. Lebensjahr will der Mediziner noch arbeiten. „Ältere Fachleute wie Dr. Blumenrath sind bei uns auch als Mentoren für jüngere Kräfte gefragt“, erläutert Jow. „Bei uns wird kein Bewerber wegen seines Alters abgelehnt.“
Hanne Haverich, Chefarztsekretärin in der Klinik, überlegt noch, ob sie im kommenden Jahr in den Ruhestand geht. Ein früheres Ausscheiden wäre aber auch für sie nicht in Frage gekommen. „Solange die Arbeit Freude macht, ist das für mich kein Thema.“ Und Freude macht ihr der Beruf immer noch. Die 62-Jährige gibt ihre Erfahrungen gerne an Jüngere weiter und profitiert umgekehrt von deren technischem Verständnis. Das ist ein Geben und Nehmen zwischen den Generationen. Und das gefällt mir.“
Text: Wort&Co, Detmold