03.03.2020

Zukunft mit geballter Rehakompetenz

Aus den Kurkliniken von einst sind moderne, fachübergreifend arbeitende Rehabilitationseinrichtungen erwachsen. Vor welchen Herausforderungen die Reha der Zukunft steht, erklärt Rose Klinik-Chefärztin Martina Ivanda.

Frau Ivanda, wie hat sich die Rehabilitationsmedizin in den letzten 30 Jahren entwickelt?

Ganz grundsätzlich: Die Kurkliniken, wie man sie aus der Zeit vor der Gesundheitsreform kennt, gibt  es ja nicht mehr.

Also junge Patienten, die zum Erhalt der Arbeitskraft eine Kur bekommen …

Die sind in der Rehaklinik heutzutage so gut wie nicht mehr sichtbar. Wer heute noch einigermaßen fit ist, der macht nach einer Knie- oder Hüft-OP eine ambulante Reha und keinen vierwöchigen Kuraufenthalt mehr. Früher waren die Patienten in der Regel selbstständig mobil. Das ist anders geworden.

Die Patienten werden demnach immer älter und kränker?

Richtig. Und gleichzeitig verkürzen sich die Liegezeiten in den Akutkrankenhäusern. Damit haben sich die Anforderungen an die Rehakliniken stark gewandelt. Patienten mit komplexen Krankheitsbildern und Mehrfacherkrankungen, die sich nicht selbst waschen können, die im Rollstuhl gefahren werden müssen und nicht mobil sind, erfordern schlichtweg mehr Personal und grundsätzlich andere Therapiekonzepte.

Wie tragen Sie diesen Herausforderungen Rechnung?

Insbesondere für multimorbide, ältere Patienten ist unsere enge Vernetzung der verschiedenen Abteilungen mit ihren medizinischen Schwerpunkten und unser ganzheitlicher, fächerübergreifender Behandlungsansatz ein ganz großer Vorteil. Nur durch das Zusammenwirken von Neurologie, Onkologie, Orthopädie und Geriatrie können wir eine umfassende Gesundheitsversorgung anbieten, die diesen Namen verdient. Mit der Schaffung der neuen Abteilungen für Neurologie und Geriatrie haben wir bereits eine riesige Umstrukturierung geleistet.

Die absolute Patientenzahl ist mit 230 Betten gleich geblieben…

…aber die Patienten verteilen sich um. Viele ältere Patienten werden jetzt geriatrisch rehabilitiert, anstatt orthopädisch. Das drückt sich auch in anderen Therapieplänen aus. Gerade in Geriatrie und Neurologie wird der Rehabilitationsbedarf aufgrund der alternden Gesellschaft sicher wachsen. Wir brauchen also heute auch mehr technische Hilfsmittel, wie wir sie in den letzten Jahren bereits angeschafft haben, Geräte etwa, um gänzlich immobile Patienten zu bewegen.

Rechnen sie mit einem weiteren Zuwachs der Patientenzahlen?

Wenn sie sich die demografische Entwicklung der westlichen Industriestaaten anschauen, wird ja klar, dass die Menschen älter und mit dem höheren Alter auch multimorbider werden. Es ist anzunehmen, dass Erkrankungen gerade im geriatrischen, neurologischen und orthopädischen Bereich weiter zunehmen.

Wird auch mehr Personal benötigt als früher?

Ja. Und zwar in der Pflege, in der Therapie, aber auch im Sozialdienst, denn oftmals brauchen die Patienten über die Reha hinaus eine Anschlussbehandlung. Auch da kümmern wir uns um exzellente Versorgung. Hinzu kommt, dass viele Patienten nach OPs viel früher aus den Akutkrankenhäusern entlassen werden.

Und mit noch nicht richtig verheilten Wunden in die Reha kommen?

Ja, bedauerlicherweise. Operationswunden versorgen wir natürlich, aber mit solchen Patienten können wir zum Beispiel keine Therapien etwa unter Wasser machen, auch müssen wir oft auf bestimmte Übungen verzichten, wenn ein Gelenk etwa aufgrund eines Blutergusses noch nicht belastbar ist. Man muss es leider sagen: Die kürzere Verweildauer in den Krankenhäusern reduziert im Ergebnis auch Therapieerfolge. Wir begegnen dem mit all unserer geballten Kompetenz. Unser Ziel ist es, Rehabilitanden nach dem Klinikaufenthalt die Rückkehr in ihren Alltag zu ermöglichen.

Martina Ivanda ist Fachärztin für Unfallchirurgie und Orthopädie und seit 2018 Chefärztin der Abteilung für Orthopädie an der Rose Klinik: „Individuelle, auf jeden einzelnen Patienten exakt zugeschnittene Behandlungskonzepte werden in Zukunft immer wichtiger werden.“

Ihre Ansprechpartnerin

Martina Ivanda

Martina Ivanda

Chefärztin der Fachklinik für Orthopädie

MEDICLIN Rose Klinik