Dr. Nafe, hat man als Einzelkämpfer in der Rehabilition überhaupt noch eine Chance?
Einzelkämpfer gibt es heutzutage in der Reha nicht mehr. Und das ist gut so. Eine gelungene Rehabilition ist immer das Ergebnis einer Teamleistung. Sie gelingt nur, wenn wir uns regelmäßig über alle Berufsgruppen und über Fachgrenzen hinweg austauschen und bei jedem einzelnen Patienten konsequent zusammen arbeiten.
Wie funktioniert das konkret?
Alleine in unseren beiden Abteilungen, also in der Neurologie und der Geriatrie, setzen wir uns drei Mal pro Woche an einen Tisch, um jeden Patienten genau zu besprechen. Dann tragen Vertreter aus allen Berufsgruppen wichtige Informationen zusammen, also neben den Fachärzten, Psychologen und der Pflege auch Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und Vertreter des Sozialdienstes.
Warum ist der Austausch so wichtig?
Ein Beispiel: Gerade in der Geriatrie kommt es ja sehr häufig vor, dass Patienten mehrfach erkrankt sind. Wenn etwa ein Patient mit einem zurückliegenden Beckenbruch zusätzlich auch unter Bluthochdruck, Zucker und einer Polyneuropathie leidet, also einer Störung der Nervenübertragung.
Also wenn viele komplexe Krankheitsbilder ineinander greifen …
… dann liegt es doch auf der Hand, dass auch verschiedene medizinische und therapeutische Fachrichtungen besser beraten sind, gemeinsam und zielgerichtet daran zu arbeiten, die Teilhabefähigkeit eines Patienten wiederherzustellen. Allgemein stellen wir fest: Die Schnittstellen zwischen Neurologie, Geriatrie, Onkologie und Orthopädie werden immer größer.